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Cadmium
Cadmium (Cd) gehört zu den weltweit verbreiteten Schwermetallen. Es ist Bestandteil der Erdkruste und meist mit Zink vergesellschaftet (Zinkblende). Geläufige Verbindungen sind weiterhin Cd-Sulfid, Cd-Carbonat und Cd-Oxid. Cadmium gelangt als Bodenmineral über Pflanzen schon immer in die Nahrungskette. In großem Umfang fällt es bei der Zink-Gewinnung an.
Cadmium wird durch den industriellen Gebrauch als Elektrodenmaterial, Bestandteil von Legierungen, Korrosionsschutz und Bestandteil von Farbpigmenten (gelbe und rote Kunststoffe) verbraucht und in hohem Maße in die Umwelt eingebracht. Massiv freigesetzt wird es durch Schrottgewerbe, Müllverbrennung, Klärschlammdüngung, Phosphatkunstdünger und Rauchen.
Cadmium ist kein Spurenelement und ist grundsätzlich als Schadstoff zu bewerten.
Cadmium im menschlichen Organismus:
Die Cadmium-Aufnahme im menschlichen Körper erfolgt über die Lunge (inhalativ) und über den Verdauungstrakt (enteral). Die Resorption beträgt bei inhalativer Zufuhr 10-50% und enteral nur etwa 5%. Cadmium reichert sich im Körper langfristig immer stärker an (akkumuliert). Die höchsten Gehalte finden sich in der Leber und besonders in den Nieren. Die Halbwertzeit im Körper beträgt 30 Jahre. Cadmium verdrängt die Spurenelemente Zink und Kupfer sowohl vom Transporteiweiß (Metallothionein) als auch in den entsprechenden Enzymen. Da Cadmium schon in sehr kleinen Mengen diese Wirkungen entfaltet, beeinträchtigt es den Stoffwechsel nachhaltig wie:
- Störung der intrazellulären Enzymtätigkeit
- Störung antioxidativer Enzyme
- Störung des Immunsystems
- Störung des Calcium-Phosphat-Haushaltes
- gestörter Glucosestoffwechsel (Diabetes)
- verminderte Fruchtbarkeit
- Nierenschäden
- Beeinträchtigung des Zentralnervensystems
- Prostatatumore
- Leberschäden
- Osteoporose (Knochenbrüchigkeit)
- Osteomalazie (Knochenbrüchigkeit infolge eines Vitamin-D-Mangels)
- gestörter Eisen-Stoffwechsel
- Lungenblähung (Emphysem)
- Immundefizite
Grenzwerte für Cadmium:
Nach Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sollte die wöchentliche Cadmium-Aufnahme 400-500 µg (Mikrogramm) nicht überschreiten. In den Industrieländern schätzt man pro Person eine wöchentliche Aufnahme von etwa 200 Mikrogramm. Diese Aufnahme lässt sich durch starkes Rauchen, arbeitsplatzbedingte Cadmium-Belastungen und spezifische Ernährungsgewohnheiten deutlich steigern. Die tägliche mittlere Cadmiumaufnahme liegt in der BRD zwischen 30 - 67 µg (210 - 469 µg/Woche).
Grenzwerte in der BRD:
- Arbeitsplatz: 50 µg/m3
- Trinkwasser: 5 µg/l
- Leinsamen: 300 µg/kg
- Milch: 2,5 µg/kg
- Schweineleber: 800 µg/kg
- Tintenfisch und -erzeugnisse: 500 µg/kg
Quellen: Bayer, W.: Cadmium; VitaMinSpur 4 (1989) S.155-161; DGE: Ernährungsbericht 1996.
Cadmium wird über die Luft, inhalierten Tabakrauch und Nahrungsmittel zugeführt. Die Resorption aus Tabakrauch bei 20 Zigaretten pro Tag entspricht ungefähr der Resorption aus den Nahrungsmitteln. Demzufolge haben Raucher (50 Jahre) gegenüber Nichtrauchern, im Laufe der Zeit, einen etwa doppelt so hohen Cadmiumspiegel. Bei der Zufuhr über Lebensmittel entfallen ca. 50% der Cadmiumanlieferung auf Vegetabilien (Getreide, Gemüse, Obst), 21% auf Innereien, 12% auf Fleisch, 9,5% auf Wasser und andere Getränke, der Rest auf sonstige Lebensmittel.
Cadmiumgehalte verschiedener Nahrungsmittel:
Quelle: Elmadfa, I. u.a.: Cadmium; AID-Verbraucherdienst 33 (1988) Heft 12.
cadmiumreich:
- Rinder-, Schweineleber: 100 - 123 µg/kg
- Rinder-, Schweineniere: 619 - 691 µg/kg
- Tintenfisch, Muscheln: bis Milligrammbereich
- Sellerie: 675 µg/kg
- Sonnenblumenkerne: 274-600 µg/kg
- Leinsamen: 300 µg/kg (und mehr)
- Spinat 232: µg/kg
- Wildpilze: 200 µg/kg
- Weizen: 56 µg/kg
- Kartoffeln: 47 µg/kg
- Süßwasserfische: 32 µg/kg
- Reis (standortabhängig): 25 µg/kg
- Wurzel-/Blattgemüse: keine genauen Daten
- Roggen: 15 µg/kg
- Seefische: 15 µg/kg
- Wurstwaren: 18 µg/kg
- Eier, Käse: 12-17 µg/kg
- Obst: 9 µg/kg
- Bohnen, Tomaten, Fruchtsäfte: keine genauen Daten
- Milch, Mineralwasser: 2 µg/kg
Cadmium ist als generell schädlicher Stoff zu bewerten, der die biochemischen Abläufe im Organismus wie auch immunologische Vorgänge gleichermaßen negativ beeinträchtigt. Der hohe Verbrauch von Cadmium als Industrierohstoff verursacht eine zusätzliche, unerwünschte Belastung zum Schaden von Pflanze,Tier und Mensch. Cadmiumhaltige Produkte sollten gekennzeichnet und einem speziellen Recycling unterworfen werden. Cadmium-haltige Klärschlämme und Düngemittel erhöhen die Belastung der Nahrungskette. Die Schadwirkung von Cadmium ist bei inhalativer Aufnahme (über die Atmung) deutlich größer als durch Verzehr.
Empfehlungen zur Cadmiumverminderung:
- Rauchen reduzieren oder einstellen
- Leber und Nieren von Rind und Schwein nicht mehr verzehren
- Tintenfisch und Muscheln wenig verzehren
- Wildpilze nur in geringem Maße verzehren
- Obst und Gemüse gut waschen und äußere Deckblätter gegebenenfalls aussortieren
- Feldfrüchte, Gemüse und Obst aus ökologischem Landbau und industriefernen Produktionsorten bevorzugen
- Leinsamen und Sonnenblumenkerne diätetisch in Maßen benutzen. Die reinen Pflanzenöle dieser Pflanzen sind cadmiumfrei. Leinsamen als Verdauungshilfe nur ganz oder angequetscht einnehmen.
- bei Keramikartikeln und Kunststoffgegenständen auf das Freisein von Cadmium achten
Literatur
- Berger, W.: Cadmium; VitaMinSpur 4 (1989).
- Elmadfa, I.: Cadmium; AID-Verbraucherdienst 33 (1988), Heft 12
- Kampe, W.: Blei und Cadmium in der Nahrung; AID-Verbraucherdienst 28 (1983) Heft 4.
- AgV - Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände: Cadmium - Belastung der Umwelt.
- Birgersson, B.: Chemie und Gesundheit; VCH-Verlag, Weinheim.
- Lindner, E.: Toxikologie der Nahrungsmittel; Thieme-Verlag, Stuttgart.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährungsbericht 1996; Frankfurt am Main.
- Zumkley, H.: Spurenelemente; Thieme-Verlag, Stuttgart.
- VZ Hamburg: Schadstoffe in unserer Nahrung.
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